„Du darfst dich wehren“: Selbstbehauptungskurs stärkt Mädchen in Gurtweil
Seit 20 Jahren fördert und finanziert der Zonta Club Bad Säckingen Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen. Dank dieser Unterstützung konnte ein solcher Kurs nun auch an der Grund- und Werkrealschule Gurtweil stattfinden.
Bianka Neußer sitzt auf dem Boden, um sie herum im Halbkreis einige Mädchen. Neben ihnen ihre beiden Therapiehunde Momo und Chuby. Eine Teilnehmerin hat gerade eine für sie unangenehme Begegnung geschildert. Neußer, qualifizierte Trainerin, geht sensibel und zugleich bestimmt auf das Thema ein. „Du darfst dich wehren“, sagt sie – ein Satz, der im „Power Girls“-Kurs immer wieder fällt. Schulsozialarbeiterin Leonie Gfrörer, welche den Kurs initiiert hat, und Schulleiter Bernhard Zimmermann beobachten das Geschehen aus etwas Abstand. „Aus Gesprächen und dem Schulalltag wird deutlich, dass ein Bedarf an solchen Kursen besteht“, erklärt Gfrörer. Auch in Gurtweil gibt es Jugendliche, die mit grenzverletzendem Verhalten innerhalb wie außerhalb der Schule konfrontiert werden. „Uns war wichtig, ein freiwilliges Angebot zu schaffen, in dem sich die Teilnehmerinnen sicher fühlen und gestärkt werden“, so Gfrörer weiter. Möglich wurde der Kurs durch die finanzielle Unterstützung des Zonta Clubs Bad Säckingen. Seit 2004 engagiert sich der Club für entsprechende Angebote – an Schulen, in Frauenhäusern sowie für Frauen mit Behinderung.
„Aus Gesprächen und dem Schulalltag wird deutlich,
dass ein Bedarf an solchen Kursen besteht.“
Schulsozialarbeiterin Leonie Gfrörer
Neben theoretischen Inhalten stehen auch praktische Übungen auf dem Programm. „Jetzt gehen wir an die Boxsäcke“, fordert Neußer die Mädchen auf. Gemeinsam mit Leonie Gfrörer hält sie Polster, gegen die die Teilnehmerinnen gezielt mit dem Knie treten und dabei laut zählen. Fällt es einigen zunächst noch schwer, ihre Kraft einzusetzen, gelingt dies in der zweiten Runde bereits deutlich besser. „Ihr dürft euch mit allem wehren, was ihr habt“, bestärkt Neußer die Gruppe. Auch Margarete Basler unterstreicht die Bedeutung solcher Kurse. Die pensionierte Staatsanwältin und Richterin a. D. weiß aus ihrer beruflichen Erfahrung, wie wichtig es ist, Mädchen und Frauen frühzeitig zu stärken. Gemeinsam mit Clubpräsidentin Angela Radler besuchte sie die GWRS Gurtweil, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Eine besondere Rolle spielen dabei auch die Therapiehunde: Mit Momo und Chuby üben die Mädchen, wie ein klares und bestimmtes „Nein“ klingt – und wie Körpersprache und Stimme auf andere wirken. Der Kurs zeigt, wie wichtig es ist, Mädchen frühzeitig in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und ihnen konkrete Handlungsmöglichkeiten an die Hand zu geben. Perspektivisch soll das Angebot erweitert werden: „Auch Jungen erleben grenzverletzendes Verhalten“, sagt Gfrörer. Gleichzeitig sei es wichtig, sie dafür zu sensibilisieren, eigene Grenzen und die anderer wahrzunehmen und zu respektieren. Entsprechende Angebote für Jungen sind daher in Planung.
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